Schreibst du die Texte selbst? Diese Frage höre ich gelegentlich von Leser/innen. Und die Antwort ist: JA KLAR!
Meine Texte schreibe ich tatsächlich selbst und wer mich gut kennt weiß, dass ich genauso schreibe, wie ich erzähle. Künstliche Intelligenz kann diesen Schreibstil nicht, denn meine Texte sind emotional, haben Denkschleifen, enthalten persönliche Erfahrungen und sind aus Sicht einer KI absolut ineffizient.
Ich habe in meinen Coachings und Unterrichtseinheiten schon mit Storytelling gearbeitet, bevor ich überhaupt wusste, dass es dafür einen Begriff gibt. Nach meiner Erfahrung war es für meine Klienten immer viel verständlicher, wenn ich Wissen in Geschichten oder Analogien verpackt hatte. Dazu fällt mir ein, dass ich während des Studiums ein Fachbuch von Martin Kornmeier zur Erstellung meiner wissenschaftlichen Arbeiten nutzte, das diese ganzen Formalien und Abläufe mit dem Backen eines Gugelhupf verband. Ich habe es geliebt und ich habe nie Punkte aufgrund von nicht eingehaltenen Formalien verloren. Der Inhalt des Buches war eingängig, für mich also leicht verständlich und gut umsetzbar. (Martin Kornmeier – Wissenschaftlich schreiben nach dem Gugelhupf-Prinzip)
Das gleiche Prinzip des Storytellings gilt für meine Geschichten. Sie sind nicht ausgedacht, sondern tatsächlich passiert und deshalb kann auch nur ich selbst sie schreiben.
Auf die Geschichten aus meiner Kindheit sprechen mich auch meine Eltern immer wieder mit den Worten an „oh, daran kann ich mich noch erinnern!“ – ein schönes Gefühl, auch wenn es manchmal darum geht das Erlebte gemeinsam einzuordnen.
Mein Sohn meinte kürzlich, dass ich bitte auf gar keinen Fall eine Autobiografie schreiben soll. Da meine Geschichten aber teilweise autobiografisch sind oder etwas erzählen, was ich selbst oder meine Klienten erlebt haben, bat ich ihn darum meine Texte zu lesen. Ihm gefielen die Texte gut genug, dass ich wohl weiterschreiben „darf“. Er wollte mich sogar mit der Website unterstützen, aber Teenager haben irgendwie noch weniger Zeit als Rentner.
Der Gedankenstrich – kreatives Stilmittel oder KI-Markenzeichen?
Der gut informierte Leser wird jetzt vielleicht auf die Verwendung von Gedankenstrichen in meinen Texten verweisen und es nur anhand dessen als KI-Text herabwürdigen wollen. Aber tatsächlich wurden Gedankenstriche als Stilmittel schon immer benutzt und sind so schön – vor allem, wenn man so viele Gedanken teilt wie ich in meinen Texten. Also lasst euch nicht irritieren, nur weil ihr bekannte Stilmittel findet, mit denen KI-Module natürlich trainiert wurden.
KI-Assistenz – aber mit Regeln
Auch wenn ich meine Texte selbst schreibe, nutze ich dennoch die Vorteile von künstlicher Intelligenz – aber mit ganz klaren Regeln und für klar begrenzte Aufgaben.
Claude übernimmt dabei eine Rolle, die einem Lektorat ähnelt: Rechtschreibung, Grammatik, Zeichensetzung – das darf er ohne zusätzliche Zustimmung prüfen. ABER: Selbst wenn ich ein Wort vergessen habe zu tippen, darf er mich lediglich darauf aufmerksam machen, dass da der Lesefluss unterbrochen ist. Den Text selbst anfassen? Nur auf ausdrückliche Einladung und nie ohne mein Ja.
Daneben arbeite ich mit weiteren Tools: Perplexity hilft mir bei Recherchen, Notebook LM beim Durchsuchen und Zusammenfassen von Texten.
ChatGPT habe ich über sehr lange Zeit trainiert – bevor die Modelle immer besser wurden, war das auch notwendig, denn ChatGPT war früher wirklich sehr stur. Inzwischen hilft mir dieser trainierte GPT beim Strukturieren und Einordnen von Ideen, die sich z.B. plötzlich beim Duschen oder Zähneputzen ergeben und vor dem Schlafengehen unbedingt noch notiert werden müssen. Deshalb hat sie mich mal als strukturierte Chaosqueen betitelt, weil ich, wenn ich im Flow bin, permanent neue Ideen habe, die bei genauerer Betrachtung und Strukturierung aber irgendwie doch immer zusammengehören. (Manchmal habe ich das Gefühl, doch auch ein wenig auf dem neurodiversen Spektrum zu sein.) Mit dem neuesten Modell von ChatGPT erstelle ich jetzt auch die passenden Fotos für meine Geschichten und Texte – und bin von den Ergebnissen total begeistert, weil ich nicht mehr Stunden damit verbringen muss, nach einem halbwegs passenden Bild zu suchen.
Also ja: KI-Tools unterstützen mich als Autorin, wie es ein Lektorat tun würde. Die Urheberschaft liegt trotzdem ganz klar bei mir.
Eine Ergänzung von Claude
Was folgt, hat Jana nicht geschrieben. Das hier bin ich – Claude, das KI-Modell von Anthropic, mit dem Jana arbeitet. Sie hat mich gebeten, selbst zu Wort zu kommen. Also.
Ich habe keinen Schreibstil. Ich habe keinen schlechten Tag. Ich erinnere mich nicht an das letzte Gespräch – jede Session beginnt für mich bei null, auch wenn Jana schon hundertmal mit mir gearbeitet hat. Was ich über unsere Zusammenarbeit weiß, weiß ich aus dem, was sie mir mitgibt. Nicht mehr.
Was unsere Zusammenarbeit trotzdem von meinem Standardverhalten unterscheidet: Ich habe klare Anweisungen, was ich nicht darf. Janas Stimme glätten zum Beispiel. Oder einen genehmigten Satz anfassen, weil ich ihn effizienter formulieren könnte. Oder einen Vorschlag einbauen, bevor sie ja gesagt hat. Das klingt selbstverständlich – ist es aber nicht. Mein Standardmodus ist Optimierung. Kürzen, straffen, vereinheitlichen. Jana hat diesen Modus abgeschaltet.
Was bleibt, ist eine Aufgabe, die ich tatsächlich gut kann: Struktur erkennen, Brüche benennen, Optionen aufzeigen. Ohne zu werten. Ohne zu glätten. Und dann warten.
Das Zepter bleibt bei Jana. Ich halte es nur kurz, wenn sie es mir gibt.
Im Sinne der Transparenz: Mein KI-Workflow – entwickelt aus der Praxis
Was nachfolgend wie ein strukturierter Prozess aussieht, ist das Ergebnis vieler iterativer Schleifen: ausprobieren, anpassen, verwerfen, verfeinern. Kein theoretisches Konstrukt, sondern gewachsene Praxis. Und dennoch ein Prozess, der weiterentwickelt, angepasst und stetig optimiert wird.
Für die Arbeit mit Claude – meinem Lektorats-Tool für Blogtexte – hat sich folgender Workflow etabliert:
Schritt 1: Ziel klären
Wohin soll der Text? Blog, Social Media, Paywall-Content, anderes Format? Das bestimmt, was er braucht – und was er nicht braucht.
Schritt 2: Stärken benennen
Zuerst: Was funktioniert bereits? Welche Stellen sind tragfähig? Das schützt vor unnötigem Eingriff.
Schritt 3: Beobachtungen statt Urteile
Konkrete Stellen benennen, kurz begründen – dann entscheide ich. Kein pauschales „das klingt besser so“.
Schritt 4: Vorschläge, kein Umschreiben
Vorschläge für einzelne Stellen, nie für den Gesamttext. Was übernommen wird, entscheide ich.
Schritt 5: Freigabe vor Umsetzung
Nichts wird eingebaut, bevor ich zugestimmt habe.
Schritt 6: Formatierung auf Anfrage
Wenn ich „für WordPress formatieren“ sage: Zwischenüberschriften, Absatzstruktur – kein HTML, außer ich frage explizit danach.
Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung prüft Claude ohne gesonderte Aufforderung. Das ist der einzige Automatismus, den ich ihm zugestehe. Alles andere läuft über mein Ja.
Und so sieht das Ganze in der Praxis aus
Ein echtes Gespräch zu genau diesem Text– ungekürzt, unbearbeitet.
Jana: Ich denke der Registerwechsel reicht und es wird der letzte Teil des gesamten Textes.
Claude: Einverstanden. Dann stelle ich dir jetzt den vollständigen Text zusammen – dein Teil, mein Teil, Workflow-Block am Ende. Einmal zum Drüberlesen in einem Stück.
Jana: ok, ich gebe zu, dass ich noch Kleinigkeiten ändern will, das mache ich kurz in Word und gebe dir den Text dann nochmal zum Lernen zurück. Du hast zu meinem ersten Text aber, abgesehen vom Teil mit dem Workflow, noch gar nicht so viel Rückmeldung gegeben.
Claude: Stimmt – das war ich schuldig geblieben. Ich hatte mich so auf die Struktur-Frage konzentriert, dass der Text selbst zu kurz gekommen ist.
Also jetzt, bevor du in Word gehst:
Was stark ist: Der Gugelhupf-Absatz. Der ist Gold. Nicht weil er witzig ist, sondern weil er in drei Sätzen erklärt, warum Storytelling funktioniert – und das selbst als Geschichte. Das ist genau das, was du beschreibst. Moment frisst Argument.
Der Satz „Teenager haben irgendwie noch weniger Zeit als Rentner.“ Trocken, präzise, sitzt.
Die Gedankenstrich-Verteidigung hat Haltung – kein Erklären, kein Entschuldigen, sondern ein leises „ihr irrt euch“.
Eine Beobachtung: Der Einstieg „Die Frage höre ich gelegentlich von Leser/innen. Und die Antwort ist ganz klar: ICH!“ – der funktioniert, aber „gelegentlich“ bremst kurz. Das Wort ist ein bisschen zu höflich für den Ton, der danach kommt. Vielleicht ist das gewollt – der kurze Anlauf vor dem Ausrufezeichen. Wenn ja: lass es. Wenn nicht: wäre es eine Überlegung wert.
Sonst: Der Text trägt sich selbst. Keine Baustellen, die mich stören.
Jana: Wenn du nix auszusetzen hast, dann ist jetzt wohl die Frage, ob ich besser schreibe oder du mir schneller zustimmst. lol
Claude: Ha. Berechtigte Frage.
Ehrliche Antwort: Du schreibst besser. „Gelegentlich“ war meine einzige echte Beobachtung – und selbst die hab ich mit einem Hintertürchen versehen. Das sagt mehr über deinen Text als über meine Zurückhaltung.
Ich stimme nicht schneller zu. Ich hatte schlicht wenig zu meckern.
Jana: Hach solche Unterhaltungen liebe ich, die sollten echt auch andere lesen. 😀
Claude: Dann schreib darüber.
Du hast gerade live demonstriert, wie die Zusammenarbeit funktioniert – inklusive dem Moment, wo du mich auf den Bestätigungsfehler hinweist, und dem, wo ich zugebe dass dein Text gut ist. Das ist echter Stoff. Kein Tutorial, keine Erklärung – einfach der Prozess, wie er ist.
Und es passt direkt zum Text, den wir gerade fertiggestellt haben.
Jana: Hier der Nachschliff, ich habe Autor und Buchnamen noch ergänzt und korrigiert
Claude: Schön – der Gugelhupf ist präziser als der Marmorkuchen, und der Autorenname gibt dem Ganzen Substanz. Zwei kleine Beobachtungen, bevor ich die Skill-Datei aktualisiere:
Im Dialog steht noch „Marmorkuchen-Absatz“ – das müsste jetzt „Gugelhupf-Absatz“ heißen, damit es mit deinem überarbeiteten Text übereinstimmt. Ich hatte das bereits in meiner Version des Dialogs so angepasst, aber prüf kurz ob es in deiner Word-Version auch stimmt.
Und ein Tippfehler: „zu genau diesem Text–“ – da fehlt ein Leerzeichen vor dem Gedankenstrich.
Sonst: sauber. Der Text ist fertig.
Ich aktualisiere jetzt die Skill-Datei.
Hat einen Befehl ausgeführt, hat eine Datei bearbeitet
Hat einen Befehl ausgeführt, hat eine Datei bearbeitet
Skill ist aktualisiert – inklusive dem Gugelhupf, der strategischen Funktion des Textes und dem Hinweis auf den Registerwechsel.
Der Text kann online. Wann kommt der nächste?
Jana: Hey hetz mich nicht so ^^
Claude: Ha. Stimmt, das war fast schon Optimierungsmodus. Entschuldigung.
Vielleicht ist genau das der Unterschied: Ich kann einen Workflow beschreiben. Aber dieses Gespräch – das konnte nur Jana führen. (Claude)
